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Bericht von den 34. Münchner Gefahrstoff- und Sicherheitstagen

Zwei Mitglieder des Fachbereichs Gefahrstoffe haben an den diesjährigen Münchner Gefahrstofftagen teilgenommen. Die Veranstaltung mit ca. 150 Teilnehmern wurde von Vertretern von Bundes- und Länderbehörden, der Unfallversicherungsträger und von Gefahrstoffexperten aus Industrie, Behörden und Forschungseinrichtungen besucht. Neben Vorträgen zu aktuellen Themen bietet sich dabei die Möglichkeit aktuelle Themen zu diskutieren. Begleitet wird die Veranstaltung von einer kleinen Fachausstellung.

Zusätzlich wurden drei parallel stattfindende Praxisseminare mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten angeboten. In einem Seminar wurden Anleitungen zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern vorgestellt und deren Anwendung in der Praxis, insbesondere die Beurteilung der Plausibilität der Angaben diskutiert. In der Bauwirtschaft liefern ca. 400 Hersteller Sicherheitsdatenblätter, die über ca. 2500 Fachhändler schließlich bei über 570.000 Anwendern als Grundlage ihrer Gefährdungsbeurteilung dienen. Im zweiten Seminar wurde über Neuerungen aus dem Themenbereich des Ausschusses für Betriebssicherheit (ABS) berichtet. Dabei wurden auch Schnittstellen zum EU-Recht erläutert und Empfehlungen des ABS zum Beschaffen von Arbeitsmitteln vorgestellt. Im dritten Seminar wurde das Gefahrstoffmanagement von Roche Diagnostics GmbH in Penzberg vorgestellt.

Die Vorträge behandelten aktuelle Themen aus dem Gefahrstoffrecht und dessen Umsetzung in der Praxis. Ein Schwerpunkt waren mehrere Vorträge zum Thema Krebserzeugende Stoffe. So wurde über aktuelle Aktivitäten auf EU-Ebene (Anpassung Krebsrichtlinie) und deren Zusammenwirken mit der nationale TRGS 910 informiert. Ein Beitrag widmete sich toxikologischen Aspekten und der Bewertung von Studienergebnissen krebserzeugender Stoffe. Ergänzt wurde dies durch einen Beitrag zur Prävention berufsbedingter Krebserkrankungen durch die Arbeitsmedizin.

Vor dem Hintergrund verschiedener stark abgesenkter Grenzwerte wurden am Beispiel der Dieselmotoremissionen im Bergbau verschiedene Handlungsoptionen der Arbeitgeber gezeigt. Es wird dringend angeraten, die Entwicklung von Grenzwerten zu verfolgen und sich Klarheit über die eigene Betroffenheit zu verschaffen. Die Möglichkeit zeitlich befristeter Ausnahmen bei branchenspezifischen Besonderheiten besteht, erfordert aber solide Begründungen.

Im Beitrag zur Arbeit des Ausschusses für Gefahrstoffe wurde über den Stand der geplanten Änderung der Gefahrstoffverordnung berichtet. Nach wie vor gibt es unterschiedliche Ansichten über eine anwender- und vollzugspraktikable Gestaltung der Regelungen zu Asbest. Mit der Veröffentlichung ist nicht vor 2020 zu rechnen. Der AGS und alle seine Ausschüsse werden im Jahr 2019 neu berufen. Unter anderem werden folgende TRGS derzeit in Arbeitskreisen bearbeitet: 401, 510, 519, 527, 528, 559, 600. Hinweise aus der Praxis zu Inhalten dieser TRGS sind willkommen und können direkt an die Geschäftsstelle des AGS gerichtet werden:

https://www.baua.de/DE/Aufgaben/Geschaeftsfuehrung-von-Ausschuessen/AGS/TRGS.html

In einem anschaulichen Beitrag wurde der Weg von der Gefährdungsbeurteilung zur Festlegung von Schutzmaßnahmen an konkreten Beispielen gezeigt. Dabei wurde auch die Problematik fehlender Prüfdaten im Abschnitt 11 des SDB angesprochen.

In der Rückschau zu einer Explosion beim Verarbeiten von Bauschaum wurden sowohl die physikalisch-chemischen Zusammenhänge, die zu dem Unfall führten als auch dessen juristische Aufarbeitung und die daraus folgenden Konsequenzen vorgestellt.

Die Gestaltung der Schnittstelle zwischen Produktsicherheitsverantwortung des Herstellers und der Betreiberverantwortung des Käufers in Bezug auf Sicherheitskonzepte und -einrichtungen war Thema eines weiteren Vortrags, der auch konkrete Empfehlungen zur vertraglichen Gestaltung bei der Beschaffung von Arbeitsmitteln gab.

Am Beispiel der Sammlung von Lösungsmittelabfällen wurden die aus verschiedenen Rechtsgebieten (Gefahrstoff-, Gefahrgut-, Wasser- und Abfallrecht) resultierenden Anforderungen ausgearbeitet.

In einer Fachdiskussion wurde über die Möglichkeit der Substitution von Gefahrstoffen diskutiert. Zuvor wurde das Thema in Impulsreferaten vorgestellt. Die Schwierigkeiten einer Substitution wurden anschaulich am Beispiel des Ersatzes von Trichlorethylen bei der Qualitätskontrolle in der industriellen Asphaltproduktion vorgestellt. In einem weiteren Beitrag wurde die Anwendung der Risikozahl bei der Suche nach Substitutionsmöglichkeiten vorgestellt. Die Risikozahl ist der Quotient aus Sättigungskonzentration und einem Grenzwert und kann zur Beurteilung von flüssigen Stoffen heranzogen werden. Eine Hilfestellung zur Substitution wird in SUBSPORT (Substitution Support Portal) angeboten: https://www.subsport.eu/?lang=de

Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass es nicht im Sinne der Substitution ist, einen Gefahrstoff durch einen schlechter charakterisierten Gefahrstoff (weniger Daten) zu ersetzen.