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Hauterkrankungen

Im Anhang der Arbeitsmedizinischen Vorsorge-Verordnung sind eine Reihe von Stoffen aufgelistet, die hautresorptive Eigenschaften haben wie beispielsweise Acrylnitril, Benzol, Styrol, Toluol oder Xylol. Daneben können eine Anzahl von Gefahrstoffen oder gefährdende Tätigkeiten wie Feuchtarbeit zu toxisch- irritativen Ekzemen führen. Weitere Stoffe können Hautallergien hervorrufen (z. B. Nickel, Chromate oder Epoxidharze).

Durch die Überarbeitung der Verordnungen wurde der Prävention von Hauterkrankungen (BK 5101) ein größerer Stellenwert als bisher beigemessen. Immerhin sind Hauterkrankungen mit 15.173 von insgesamt 53.576 Berufskrankheiten (BK)-Anzeigen im Jahr 2005 mit Abstand die häufigsten angezeigten Berufskrankheiten in Deutschland (Statistik des HVBG). Somit beziehen sich 28,3% aller BK-Anzeigen auf Hautkrankheiten. Es ist daher sinnvoll, auf die arbeitsbedingten Hauterkrankungen und auf deren Vermeidung durch spezielle Hautschutzmaßnahmen näher einzugehen.
 

Funktion und Aufbau der Haut

Mit einer Oberfläche von fast 2 m2 ist die Haut das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie schützt vor chemischen, physikalischen und bakteriellen Einwirkungen und sorgt für die Temperaturregulierung. Außerdem ist die Haut Träger wichtiger Sinnesorgane, die Tastsinn sowie Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindung vermitteln.

Die Haut besteht aus drei übereinanderliegenden Schichten, der Oberhaut, Lederhaut und der Unterhaut.

Die Oberhaut, auch Epidermis genannt, stellt die Grenze des Körpers zur Umwelt dar und dient damit zum Schutz gegen äußere Einwirkungen. Die tiefere Schicht der Oberhaut ist die Keimschicht, von der die Zellerneuerung ausgeht. In ihr befinden sich auch die sogenannten Melanozyten, welche auf Sonneneinwirkung mit der Melaninwirkung (Bräunung) reagieren und die Langerhans-Zellen, die allergische Reaktionen vermitteln.

In der Keimschicht werden ständig neue Hautzellen gebildet, die von nachrückenden Zellen an die Hautoberfläche geschoben werden. Nach einem Zeitraum von vier bis acht Wochen haben sie die äußerste Schicht, die Hornschicht erreicht. Dabei bilden die Hautzellen eine mechanisch sehr feste Hornsubstanz, das Keratin. Weiterhin wird von den Zellen eine fetthaltige Substanz gebildet, die die Zwischenzellräume ausfüllt.

Für die Widerstandsfähigkeit der Haut ist ferner ein dünner Wasser-Fett-Film (Hydrolipidmantel) auf der Hautoberfläche von Bedeutung. Dieser wird in erster Linie von der Hornhaut sowie von den Talg- und Schweißdrüsen gebildet. Er hat einen leicht sauren pH-Wert (pH-Wert 5-6) und wird daher auch als "Säuremantel" bezeichnet. Durch das saure Milieu wird die Ansiedlung von Krankheitserregern (Bakterien, Viren und Pilze) erschwert. Gleichzeitig wird die Wasserbindefähigkeit der Hornhaut verbessert. Daneben lassen sich alkalische sowie saure Hautschadstoffe bis zu einem gewissen Grade abpuffern.

Eine intakte Barrierefunktion der Hornhaut ist die wichtigste Voraussetzung für die Schutzwirkung gegenüber hautaggressiven Arbeitsstoffen.

Die "mittlere" Hautschicht wird als Lederhaut oder Corium bezeichnet. Sie besteht hauptsächlich aus einem faserreichen Bindegewebe, in dem unter anderem Haarfollikel, Schweißdrüsen, Blutgefäße und Nervenbahnen mit Sinnesrezeptoren zur Vermittlung von Tast-, Vibrations-, Temperatur und Schmerzempfindungen eingebettet sind. Der obere Teil der Lederhaut ist mit der Epidermis fest verzahnt. Die Lederhaut enthält auch Zellen, die für die Auslösung entzündlicher und allergischer Reaktionen verantwortlich sind.

Die Unterhaut oder Subkutis besteht aus lockerem Bindegewebe und Fettzellen. Sie dient vor allem zur Wärmeisolation des Körpers, als Druckpolster zum Schutz der darunter liegenden Knochen und Muskeln sowie zur Speicherung von Reservestoffen. 
  

Hauterkrankungen  Unter den berufsbedingten Hauterkrankungen stehen die toxischen bzw. irritativen und die allergischen Kontaktekzeme eindeutig an erster Stelle. Überwiegend sind Hände und Unterarme betroffen. Bei Beschäftigten mit anlagebedingter überempfindlicher Haut – so genannten Neurodermitikern oder Atopikern – ist das Risiko einer Hautschädigung im Beruf deutlich erhöht.

Unter einem "Ekzem" wird eine Entzündung der Haut verstanden mit Rötung, Knötchen, Bläschen, Schuppenbildung und Hautrissen. Diese Veränderungen sind oft mit Juckreiz und Schmerzen verbunden. Man spricht von einem Kontaktekzem, wenn das Ekzem durch den direkten Hautkontakt einer schädigenden Substanz hervorgerufen wird. In der Arbeitswelt sind vor allem akute toxische Kontaktekzeme, toxisch-degenerative Kontaktekzeme und allergische Kontaktekzeme von Bedeutung.

Das akute toxische Kontaktekzem entwickelt sich oft nach Einwirkung stark hautschädigender Substanzen wie Säuren, Laugen oder konzentrierter Reinigungsmittel. Die unmittelbare Schädigung am Ort des Kontaktes lässt die Ursache leicht erkennen.

Ein toxisch-degeneratives Kontaktekzem entwickelt sich erst nach längerer Einwirkung von Arbeitsstoffen mit geringerer hautschädigender Wirkung. Diese Ekzemform wird daher auch als Abnutzungsekzem oder kumulativ-subtoxisches Ekzem bezeichnet. Durch langanhaltende Überbeanspruchung der Haut werden die Regenerationsleistungen erschöpft. Die Pufferkapazität, das Wasserbindungsvermögen der Hornschicht und der Oberflächenfilm sind gestört.

Erstes Anzeichen ist meist eine trockene und raue Haut im Bereich der Hände. Personen mit anlagebedingter trockener Haut wie beispielsweise Neurodermitiker sind besonders gefährdet. Die Hautbelastung ist auch jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen und vom Alter abhängig. So erhöht die trockene Luft im Winter das Ekzemrisiko. Die mit fortschreitendem Alter zunehmende Trockenheit der Haut begünstigt das Auftreten von Ekzemen.

Folgende Substanzen lösen häufig toxisch-degenerative Kontaktekzeme aus: Wasser (Quellung der Hornschicht), Detergenzien wie Seifen, Wasch- und Reinigungsmittel (Entfernung des Wasser-Fett- Films), alkalische und saure Stoffe (Schädigung der Hornschicht), organische Lösemittel (Entfettung der Haut) und mechanische Reize (Mikroverletzungen, Abrieb des Säureschutzmantels).

Bei gleichzeitigem Vorhandensein von Allergenen entwickeln sich toxisch-degenerative Ekzeme in einer zweiten Phase häufig zu allergischen Kontaktekzemen.

Ein allergisches Kontaktekzem ist dadurch gekennzeichnet, dass primär oft nicht toxische Substanzen (Allergene) nach wiederholtem Hautkontakt ein Ekzem auslösen. Eine Allergie ist im Allgemeinen eine veränderte Reaktionslage des Organismus auf bestimmte als körperfremd interpretierte Stoffe. Die Haut hat dann infolge einer Sensibilisierung die Bereitschaft erworben, auf bestimmte Stoffe, die sogenannten Allergene, in Form einer Entzündung zu reagieren. Die Sensibilisierung ist abhängig von der chemischen Struktur des Allergens, seiner Konzentration, der Einwirkdauer auf die Haut und der Funktion der Hornschichtbarriere.

Es gibt mehrere Arten von allergischen Reaktionen. In der Arbeitswelt sind vor allem die Allergien vom Spättyp (Typ IV-Allergien) von Bedeutung. Eine solche Allergie bleibt in der Regel lebenslang bestehen. Lediglich die Auswirkung der Allergie, das allergische Ekzem, lässt sich medizinisch durch entzündungshemmende Medikamente behandeln, die Allergiebereitschaft hingegen nicht. Ein erneuter Allergenkontakt kann nach abgeheilten Hauterscheinungen immer wieder ein Ekzem hervorrufen. Deshalb muss bei einem allergischen Kontaktekzem das verursachende Allergen gefunden und der Kontakt in Zukunft vermieden werden, um der Entwicklung einer chronischen Hautschädigung vorzubeugen.

Die meisten allergischen Kontaktekzeme verlaufen - wie schon erwähnt - auf dem Boden eines vorbestehenden toxisch-degenerativen Kontaktekzems als Zwei-Phasen-Ekzeme. Ein typisches Beispiel dafür ist das Chromatekzem des Maurers: Nach der degenerativen Schädigung durch den alkalisch wirkenden Zement und der mechanischen Hautbelastung durch Sand und Mauersteinen können die in Spuren vorhandenen wasserlöslichen Chromat-Ionen leicht in die Haut eindringen und nach erfolgter Sensibilisierung zum allergischen Kontaktekzem führen. Um dieser Sensibilisierung vorzubeugen, dürfen mittlerweile nur noch chromatreduzierte Zemente verwendet werden.Zu den häufigsten Kontaktallergenen in der Arbeitswelt zählen Chromate, Epoxidharzsysteme, Gummiinhaltsstoffe, Formaldehyd und Nickelionen:
  ●  Die Chromatallergien wurden in den zurückliegenden Jahren in der Mehrzahl durch chromathaltige Zemente und Zementprodukte
      hervorgerufen. Durch die Zugabe von chromatreduzierenden Mitteln wie Eisen-II-Sulfat konnte die Sensibilisierungsrate gesenkt werden.
      Eine weitere Gefahr besteht allerdings noch durch chromatgegerbtes Leder und im Bereich der Galvanik.
  ●  Epoxidharzsysteme werden aufgrund ihrer Eigenschaften wie hohe mechanische und thermische Beständigkeit sowie ihrer
      Widerstandsfähigkeit gegen viele Chemikalien in zahlreichen industriellen und handwerklichen Bereichen eingesetzt. Sie finden unter
      anderem Verwendung als Kleber, Formmassen und Beschichtungsstoffe. Es handelt sich vorwiegend um Zwei-Komponenten-System,
      bestehend aus Harzen und Härtern. Die bei deren Verarbeitung entstehenden Epoxide sind Allergene mit hochgradiger Sensibilisierungspotenz.
  ●  Zu den Gummiinhaltsstoffen gehören Vulkanisationsbeschleuniger wie Thiurame und Carbamate sowie verschiedene Amine und
      Phenolderivate. Viele Sensibilisierungen werden durch das Tragen ungefütterter Gummihandschuhe hervorgerufen, wobei der
      aufgrund des Okklusionseffektes vermehrt abgesonderte Handschweiß einerseits die Haut aufweicht und die Hautbarriere schädigt
      (Feuchtarbeit), andererseits die im Handschuhmaterial enthaltenen Allergene in Lösung bringt und den Hauttransport erleichtert.
  ●  Formaldehyd weist noch eine weite Verbreitung als Desinfektions-, Konservierungs- bzw. Sterilisationsmittel auf. Betroffen sind vor
      allem Gesundheitsberufe und Reinigungsberufe im Gesundheitsbereich.
  ●  Nickelallergien sind in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet. Die Sensibilisierungen werden in erster Linie durch das Tragen von
      nickelhaltigem Schmuck erworben. Im beruflichen Umfeld hat Nickel eher eine untergeordnete Bedeutung. Lediglich in der Galvanik
      stellen Nickelsensibilisierungen ein größeres Problem dar.

Die Neurodermitis oder atopische Veranlagung ist eine angeborene Bereitschaft zur Ausbildung eines endogenen bzw. atopischen Ekzems. Daneben besteht oft noch eine Überempfindlichkeit der Atemwege mit der Möglichkeit, an Heuschnupfen oder Bronchialasthma zu erkranken. Eine Neurodermitis ist bei 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung festzustellen. Ein Neurodermitiker hat eine trockene (sebostatische) Haut.

Die Haut eines Neurodermitikers ist nur wenig belastbar. Es besteht eine vermehrte Hautgefährdung bei zusätzlicher Austrocknung und Entfettung der Haut. Intensiver Hautschutz mit häufigem Eincremen der Hände ist erforderlich.

Die Beurteilung einer Neurodermitis - insbesondere im Hinblick auf zumutbare berufliche Belastungen - sollte durch einen erfahrenen Hautarzt oder Arbeitsmediziner erfolgen. Hinweise auf eine Neurodermitis bzw. eine atopische Veranlagung sind beispielsweise Erkrankungen an "Milchschorf" im Kindesalter, Ekzeme in den Gelenkbeugen, eine familiäre Häufung, Textilunverträglichkeit oder starker Juckreiz beim Schwitzen.

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko von Hauterkrankungen zu minimieren. Es liegt auf der Hand, dass die von uns vorgestellten allgemeinen Präventionsmöglichkeiten gegebenenfalls noch weiter auf die Arbeitssituation angepasst werden müssen.

Berufe mit deutlich erhöhtem Risiko von Hauterkrankungen sind in erster Linie Friseure mit einer jährliche Neuerkrankungsrate (Inzidenz) von 97 pro 10.000 Beschäftigten, gefolgt von Bäckern mit 33 pro 10.000 und Floristen mit 24 pro 10.000 Beschäftigten. Eine Auswahl von Berufen mit erhöhtem Hauterkrankungsrisiko haben wir hier zusammengestellt.