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Beurteilen von Gefährdungen

Gemäß § 6 GefStoffV 2010 hat der Arbeitgeber zunächst festzustellen, ob die Beschäftigten Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen oder ob Gefahrstoffe bei ihren Tätigkeiten entstehen oder freigesetzt werden. Ist dies der Fall, so hat er alle hiervon ausgehenden Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten. Wenn der Arbeitgeber/Unternehmer nicht selber die dazu notwendige Fachkunde hat, muss er sich fachkundig beraten lassen. Die Gefährdungen sind unter folgenden Gesichtspunkten zu beurteilen: 


1. Gefährliche Eigenschaften der Stoffe oder Gemische, einschließlich der physikalisch-chemischen Wirkung

Insbesondere die physikalisch-chemischen Eigenschaften, reizende, ätzende oder sensibilisierende Wirkungen, Toxizität bei wiederholter Exposition, Hinweise auf CMR-Wirkungen (Carcinogenic, Mutagenic and toxic to Reproduction für krebserzeugend, erbgutverändernd und fruchtbarkeitsgefährdend) sollten betrachtet und bezüglich ihrer Auswirkung bewertet werden. Zu den gefährlichen Eigenschaften gehören auch die physikalisch-chemischen Wirkungen: Sowohl für die eingesetzten Stoffe als auch für Reaktionsprodukte sind ein mögliches Brand- und/oder Explosionsverhaltens zu überprüfen und als Gefährdung zu berücksichtigen.


2. Informationen des Herstellers oder Inverkehrbringers zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit insbesondere im Sicherheitsdatenblatt

Im Sicherheitsdatenblatt sollten künftig mehr sicherheitsrelevante Informationen aufgeführt werden, als dies bislang der Fall war. Angaben sind für den gegebenen Anwendungsfall zu bewerten. Für selbsthergestellte Gefahrstoffe müssen die im Sicherheitsdatenblatt geforderten Informationen selber ermittelt werden. Allen Abnehmern, die einen Gefahrstoff oder ein Gemisch erworben haben, muss ein Sicherheitsdatenblatt kostenlos und unaufgefordert zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus ist stets darauf zu achten, dass ein Sicherheitsdatenblatt mit einem aktuellen Datum versehen und in deutscher Sprache abgefasst ist.

3. Ausmaß, Art und Dauer der Exposition unter Berücksichtigung aller Expositionswege

In § 7 Abs. 8 GefStoffV 2010 wird gefordert, dass die Ergebnisse der Überprüfung der Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte zu berücksichtigen sind. Daraus folgt auch, dass die Gefährdungsbeurteilung wiederholt werden muss, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert nicht eingehalten wird.

4. Möglichkeiten einer Substitution

Es sind die Möglichkeiten der Ersatzstoffsuche auszuarbeiten und gegebenenfalls die Gründe darzulegen, warum ein möglicher Ersatzstoff nicht eingesetzt wird. Die Substitution ist theoretisch immer das beste Mittel der Verringerung der Gefährdung der Gesundheit der Beschäftigte. In der Praxis wird eine mögliche Substitution immer wieder nicht durchgeführt. weil wirtschaftliche Gesichtspunkte dem entgegenstehen, beispielsweise Qualifikationen von Werkstoffen unter den geänderten chemischen Bedingungen. Die IFA bietet heute ein auf der Einstufung nach CLP basierendes Spaltenmodell nach der TRGS 600 an. Eine auf dem Spaltenmodell (Stand Januar 2017) basierende Mustervorlage ist Teil der herunterladbaren Musterformulare.

5. Arbeitsbedingungen und -verfahren einschließlich der Arbeitsmittel und der Gefahrstoffmenge

Besonders verfahrenstechnisch bestimmende Parameter sollten hier diskutiert werden, z. B. Auswirkungen von Temperaturen oberhalb des Siedepunktes, Auswirkung des Drucks in geschlossenen Anlagen, Folgen von Staubentwicklungen. Das unter Punkt 4 diskutierte Gebot der Substitutionsprüfung ist nicht nur auf den Gefahrstoff beschränkt, sondern schließt auch des Anwendungsverfahren ein. So sind Lackierungen besser im Tauch- als im Spritzverfahren durchzuführen, das sie dort zu weniger Belastung der Beschäftigten und der Umwelt führen.

6. Arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte

Die Grenzwerte und die getroffenen Maßnahmen zu deren Einhaltung sind zu erarbeiten. Dabei sind alle Bemühungen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Grenzwerte möglichst deutlich unterschritten werden, so dass ein dauerhaft sehr geringes Risiko für die Beschäftigten resultiert. Wenn der Grenzwert sicher dauerhaft unterschritten wird (z. B. der Stoffindex nach der TRGS 402 kleiner als 0,25 ist, so kann der Überwachungsaufwand reduziert werden und ggf. können hohe Kosten für persönliche Schutzausrüstung eingespart werden.
 

7. Wirksamkeit der getroffenen oder zu treffenden Schutzmaßnahmen

In der ersten Fassung der Gefährdungsbeurteilung werden hier die Erwartungen dargestellt. Ob diese Schutzmaßnahmen ausreichend wirksam sind, kann erst und muss nach der Wirksamkeitsprüfung festgestellt werden. Diese Wirksamkeitsprüfung sollte in einem Versuchslauf vor der Aufnahme der regulären Tätigkeit durchgeführt werden, nur so besteht die Chance der Korrektur und Anpassung ohne die Gesundheit der Beschäftigten zu gefährden.
 

8. Erkenntnisse aus durchgeführten arbeitsmedizinischen Vorsorgemaßnahmen

Hinweise auf der Basis von arbeitsmedizinischen Vorsorgemaßnahmen, die auch auf andere Beschäftigte zutreffen könnten, sind ein wichtiger Grund, die Gefährdungsbeurteilung neu zu überprüfen. Oberstes Ziel muss es dabei stets sein, die Einwirkung von Gefahrstoffen so gering zu halten, dass die festgestellten Gesundheitsbeeinträchtigungen künftig vermieden werden können.