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Gestaltung der Arbeitsplätze

Der Arbeitsplatzgestaltung kommt in vielen Betrieben eine besondere Bedeutung zu. Sie ist sozusagen die oberste, wichtigste technische Schutzmaßnahme, durch die viele weitere mögliche Schutzmaßnahmen ersetzt werden können, so dass organisatorische oder persönliche Schutzmaßnahmen nicht in Betracht gezogen werden müssen.

An erster Stelle sind sicher die baulichen Maßnahmen zu bedenken, die erfüllt sein müssen, damit der Betrieb später sicher ablaufen kann. Es ist klar, nicht jeder Betrieb kann in jedem Gebäude eingerichtet werden und es gibt keine Gebäudeart, die für jeden Betrieb geeignet ist. Es ist nicht immer möglich – und wenn, dann oft nur mit einem unverhältnismäßig hohen Kostenaufwand – Planungsfehler zu korrigieren oder nachträglich Umbaumaßnahmen durchzuführen. So hat beispielsweise ein Betrieb, in dem mit Radionukliden umgegangen werden soll, besondere Anforderungen bezüglich des kontrollierten Zutritts über Schleusen, bezüglich der Be- und Entlüftung sowie der Handhabung/Kontrolle der abgesaugten Luft und der Sammlung und Kontrolle der Abwässer zu erfüllen, die nachträglich kaum einbaubar bzw. nachrüstbar sind.

Im Grunde betrifft das natürlich auch die Ausführung und Qualität der tatsächlichen Arbeitsfläche, die beispielsweise gegen die Chemikalien beständig sein muss, mit denen Tätigkeiten durchgeführt werden sollen. Kommen betrieblich nur klassisch, anorganisch analytisch Verfahren in wässrigen Lösungen zur Anwendung, beispielsweise in einem Labor, bei denen der Auftraggeber die Probenvorbereitung bereits durchgeführt hat, so müssen die Arbeitsfläche u. U. nicht mit einer gegen organische Lösungsmittel beständigen Oberflächen versehen sein. Sollte die Notwendigkeit dafür später für einzelne Arbeitsschritte einmal erforderlich werden, lassen sich möglicherweise in diesem Fall sogar kostengünstige Lösungen finden, um einen oder zwei Arbeitsplätze so umzurüsten, dass die Beständigkeit gegen das oder die organischen Lösungsmittel gegeben ist.

In Betrieben, in denen überwiegend mit organischen Lösungsmitteln umgegangen wird, stellt sich die Situation hingegen ganz anders dar, denn die Umrüstung aller Arbeitsplätze ist sicher teurer und aufwändiger als die erforderliche Ausführung vor Inbetriebnahme. In einigen Betrieben, z. B. in Labors, sollen Steckdosen möglichst oberhalb der Arbeitsfläche angeordnet sein, so dass auslaufende oder verspritzende Flüssigkeiten keine Gefährdung darstellen; wenn sie unterhalb der Arbeitsfläche angebracht werden müssen, so sind sie weit zurückzulegen und so gegen Verspritzungen bzw. Auslaufen zu schützen. Je nach der Anzahl der Geräte, Apparaturen oder Einbauten, die aufgestellt oder aufgebaut werden sollen, muss eine ausreichende Anzahl von Steckdosen vorhanden sein, denn die Verwendung von Mehrfachsteckdosen sollte die Ausnahme und nicht die Regel sein – und die besonderen Anforderungen an die Mehrfachsteckdosen – wie separate Hauptschalter, Vorsicherung und FI-Schalter – müssen erfüllt werden und bedingen zusätzliche Kosten. Diese erforderlichen Sicherheitseinrichtungen sind bei Mehrfachsteckdosen aus dem Baumarkt kaum zu finden. Darüber hinaus ist das Hintereinanderschalten mehrerer Mehrfachsteckdosen aus Sicherheitsgründen (elektrische Sicherheit, Brandgefahr) verboten!

Die Beispiele zeigen, dass spätere bauliche Änderungen gegebenenfalls möglich sind, aber durch eine durchdachte Planung unter Umständen auch hätten vermieden werden können. 

An Arbeitsplätze können eine Reihe von Anforderungen gestellt werden, deren Einrichtung und Berücksichtigung möglichst in der Planungsphase anzustreben ist. Hierzu zählen beispielhaft:
  ●  Arbeitsflächen müssen immer so stabil ausgeführt werden, dass sie den vorgesehenen, mechanischen Belastungen standhalten,
      das betrifft sowohl das Gewicht als auch die Festigkeit der Oberfläche, so dass beim Verschieben von Geräten oder Apparaturen
      keine Kratzer entstehen, die nur schwer – wenn überhaupt – von ausgetretenen Gefahrstoffen sauber zu halten sind, also ein
     
Kontaminationsrisiko darstellen.
  ●  Arbeitstische müssen grundsätzlich standfest verankert sein. Bewegliche Arbeitstische, die beispielsweise für Versuchsaufbauten
      benötigt werden, sind eine temporär zugelassene Ausnahme, aber keine Dauerlösung.

  ●  Arbeitsflächen müssen so beschaffen sein, dass sie gegen die Temperaturen auf Dauer beständig sind, denen sie durch den Betrieb
      von darauf abgestellten Geräten oder aufgebauten Apparaturen ausgesetzt sind.

  ●  Arbeitsflächen müssen ggf. mit einer flüssigkeitsdichten Beschichtung versehen sein, so dass ausgelaufenen Gefahrstoffe nicht in
      die Unterbauten eindringen können.

  ●  Arbeitsflächen müssen ggf. mit einem umlaufenden Randwulst versehen sein, um das Auslaufen von Leckagen auf den Fußboden
      zu vermeiden.

  ●  Arbeitsflächen müssen so groß beschaffen sein, dass notwendige Bedien- oder Verkehrsflächen in ausreichendem Ausmaß
      zur Verfügung stehen. Ausreichend ist dabei mindestens, dass Bedienelemente gut zugänglich sind und Kontrollanzeigen ungehindert
      ablesbar sind.

  ●  Bei gegenüberliegenden Arbeitsflächen ist ggf. ein Spritzschutz von mindestens 1,75 m Höhe zwischen den Arbeitsflächen erforderlich,
      um eine Gefährdung durch
Verspritzungen am gegenüberliegenden Arbeitsplatz zu verringern.

Zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen müssen immer ausreichende Verkehrs- und Fluchtwege eingehalten werden. Reine Verkehrswege (ohne Bedienflächen) müssen mindestens 0,90 m breit sein. Bei bis zu 5 Personen reicht das auch als Flucht- und Rettungsweg, für die aber bei 6 bis 20 Personen entsprechend der Arbeitsstättenrichtlinie ASR A2.3 überall eine lichte Breite von 1,00 m erforderlich ist. Bei über 6 Meter langen Arbeitstischen, bei mehr als 4 Personen zwischen zwei Arbeitsflächen, bei Arbeitsplätzen mit erhöhtem Brand- oder Explosionsgefährdung oder zwei gegenüberstehenden Abzügen, müssen die in der ASR A2.3 und der DIN EN 14056 genannten Mindestmaße vergrößert werden. Flucht- und Rettungswege dürfen nicht durch Auf- oder Anbauten in der lichten Breite eingeengt werden! In Labors kommen zwei zusätzliche Bedingungen hinzu: Türen müssen mit einem Fenster versehen sein und in Fluchtrichtung aufschlagen.