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Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS)

Der offizielle Amtstitel der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) lautete im Jahre 2002: "Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes". Der letzte, markierte Halbsatz dieses langen Titels macht deutlich, dass die Organisation des Arbeitsschutzes eng mit der Verwendung von Arbeitsmitteln verbunden ist. Daher war in den Entwürfen zur BetrSichV auch eine gesetzliche Forderung nach der Einführung eines Managementsystems zum Arbeitsschutz integriert. In der verabschiedeten Schlussfassung fiel das aber dann weitgehend im Jahre 2015 heraus. Arbeitsschutzmanagementsysteme stellen daher heute keine gesetzliche Forderung dar. Übrig geblieben ist in der BetrSichV allerdings die Organisation der Prüfungen der Arbeitsmittel.

Der Vollständigkeit halber muss allerdings ergänzt werden, dass auch in verschiedenen anderen Rechtsquellen managementbezogene Aspekte angesprochen werden. Das fängt im § 3 Abs. 2 ArbSchG an und findet im § 8 Abs. 1 GefStoffV 2010 seine Fortsetzung.

Dennoch können Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS) einen "halboffiziellen" Charakter bekommen, da sich hier einige staatliche Institutionen als auch die Unfallversicherungsträger sehr engagieren. Daneben existieren aber auch noch privatwirtschaftliche Normungen, die bei Auftragsvergaben aber durchaus eine Rolle spielen können. Zunächst muss man sich darüber im Klaren werden: Ist ein AMS notwendig? Wenn die grundsätzliche Entscheidung gefallen ist, dass ein AMS eingeführt werden soll, sollte bei der Auswahl des Systems darauf geachtet werden, dass der Inhalt des ausgewählten AMS alle für den Betrieb erforderlichen Punkte aus den hier vorgestellten allgemeinen Inhaltsangaben eines AMS.

Es gibt eine große Variationsbreite bei den diversen Systemen zur Gestaltung des Arbeitsschutzmanagements im Unternehmen. Welches System richtig ist, ob zertifiziert werden sollte und welcher Zertifizierer am geeignetsten ist, muss der Unternehmer entscheiden. Praktikabilität als auch Kostenfaktoren spielen dabei eine wichtige Rolle. Grundsätzlich gibt es Systemvorlagen, die im Internationalen Rahmen von Bedeutung sind und solche, die ausschließlich in Deutschland zur Anwendung kommen. Es kann aber durchaus sein, dass ein deutsches Zertifikat oder Gütesiegel von einem internationalen Kunden anerkannt wird. Dies müssen die Vertragspartner im Gespräch miteinander abklären.

Im Internationalen Rahmen sind im Wesentlichen drei Normungen von Bedeutung:
  ●  Leitfaden der International Labour Organisation ILO/OSH-MS 2001 Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme.
  ●  BS OHSAS 18001 Arbeits- und Gesundheitsschutz – Managementsysteme – Anforderungen;
  ●  Safety Certificate Contractors (SCC); zu deutsch: Sicherheits-Zertifikat-Kontraktoren

ILO/OSH-MS 2001 und BS OHSAS 18001 unterscheiden sich nicht wesentlich. Im Anhang zum BS OHSAS 18001 sind die beiden Systeme gegenübergestellt. Da in der Regel nach BS OHSAS 18001 zertifiziert wird, verzichten wir auf eine weitere Beschreibung des ILO/OSH-MS 2001.

Basierend auf dem Leitfaden der International Labour Organisation ILO/OSH-MS 2001 hat das im Jahre 2002 dafür zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) einen Leitfaden erstellt, der die Grundlage für alle nationalen Arbeitsschutzmanagementsysteme ist, die in drei Gruppen eingeteilt werden können:
  ●  Arbeitsschutzmanagementsysteme einzelner Bundesländer (staatliche Systeme)
  ●  Arbeitsschutzmanagementsysteme der Unfallversicherungsträger
  ●  Arbeitsschutzmanagementsysteme und Bausteine freie Träger

Alle Managementsysteme haben gemeinsam, dass Kennzahlen zur Bewertung und zur Ableitung von Verbesserungspotenzialen generiert werden müssen. Der Fachbereich Kennzahlen im Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI) arbeitet derzeit an einfachen Systemen zur Ermittlung solcher Kennzahlen. Auf die jeweils aktuellen Veröffentlichungen zu dem Thema wird daher gesondert verwiesen.