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Geeignete Arbeitsbedingungen für Tätigkeiten mit geringer Gefährdung

Es ist schwer, allgemein zu beschreiben, was grundsätzlich zutreffende, geeignete Arbeitsbedingungen für Tätigkeiten mit geringer Gefährdung sind. Sie hängen u. a. ab von
  ●  Stoffeigenschaften,
  ●  Anwendungstemperaturen,
  ●  Stoffmengen,
  ●  ggf. Strömungsgeschwindigkeiten,
  ●  Reaktionsgeschwindigkeiten etc.

Sichere Arbeitsbedingungen für Tätigkeiten mit Flüssigkeiten bei Zimmertemperatur unterscheiden sich beispielsweise gravierend darin, ob eine Flüssigkeit einen Flammpunkt unter 20 °C oder über 100 °C hat. Wenn mit Verstaubung oder Vernebelung zu rechnen ist, sind wiederum andere Maßnahmen erforderlich, um eine Kontamination der Umgebung zu verhindern, als wenn damit nicht zu rechnen ist, z. B. weil es aufgrund der Stoffeigenschaften gar nicht möglich ist. Geeignete Arbeitsbedingungen unterscheiden sich gravierend bei Tätigkeiten mit gasförmigen oder flüssigen Stoffen von denen mit hochviskos flüssigen oder festen Stoffen.

Eine niedrige Exposition ist am klarsten und verständlichsten zu verstehen; sie liegt dann vor, wenn selbst bei dauerhafter Belastung gesundheitliche Schäden nicht zu befürchten sind. Als dauerhafte Belastung werden dabei arbeitstäglich acht Stunden zugelassen.

Für die Beurteilung, ob Tätigkeiten mit Gefahrstoffen im Hinblick auf ihre gefährlichen Eigenschaften und Mengen eine Gefahr für die Beschäftigten darstellen, sind die Mengen der Gefahrstoffe je nach Gefährlichkeitsmerkmal unterschiedlich zu bewerten:
  ●  Grundsätzlich ist aufgrund des stofflichen Gefährdungspotenzials davon auszugehen, dass Tätigkeiten mit beispielsweise akut toxischen
      Stoffen, CMR-Stoffen oder Stoffen mit Gefährlichkeitsmerkmalen, die in §  9  Abs.  2  GeftSoff V 2010 oder in Anhang I oder Anhang II Nr. 6
      genannt sind oder wenn ein Grenzwert überschritten wird, im Allgemeinen zu einer nicht vernachlässigbaren Gefährdung der Beschäftigten
      führen können. In einem solchen Fall müssen auch zusätzliche (§ 9 GefStoffV) und/oder besondere Schutzmaßnahmen (§§ 10 bis 12) in
      Erwägung gezogen und ggf. ergriffen werden. Ob diese Tätigkeiten wirklich ohne besondere An- oder Unterweisung möglich sind
      (§ 14 GefStoffV  2010), muss ebenfalls in der Gefährdungsbeurteilung begründet werden. Bei diesen Gefahrstoffen ist auch die Frage
      der Kleinmenge sehr detailliert zu diskutieren.
  ●  Im Fall der übrigen Gefahrstoffe kann keine allgemein gültige, zahlenmäßig festgelegte Definition der Kleinmenge gegeben werden;
      hier ist jeweils eine Einzelfallentscheidung zu treffen und die zu Grunde liegende Begründung zu dokumentieren.
  ●  Es herrscht Übereinstimmung unter den Fachkundigen, dass Tätigkeiten mit geringer Gefährdung i.d.R. auf Grammmengen oder
      Volumina im Milliliterbereich beschränkt sind. Abweichungen hiervon müssen daher besonders begründet werden.

Die an erster Stelle im §  6  Abs. 13 GefStoffV 2010 genannte Abhängigkeit von den dem Gefahrstoff zugeordneten Gefährlichkeitsmerkmalen ist neu in dieser Zusammenstellung; diese Umformulierung ersetzt in keiner Weise das bisher ausgesprochene Verbot für explizit genannte Gefährlichkeitsmerkmale und ist von daher nur noch von sehr großen Unbestimmtheit, die großen Interpretationsspielraum lässt. Damit wird die Frage, ob – und wenn ja – bei welchen Gefährlichkeitsmerkmalen eine geringe Gefährdung verboten sein oder kaum in Betracht gezogen werden sollte, nicht mehr konkret im Absatz 13 angesprochen.