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Gefahrstoffverzeichnis

In der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) werden Tätigkeiten mit Gefahrstoffen mit dem Ziel geregelt, den Gesundheitsschutz und die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten. Hierzu werden unterschiedliche Regelungen und Anforderungen getroffen, beispielsweise im § 6 Abs. 10 GefStoffV 2010: "Der Arbeitgeber hat ein Verzeichnis der im Betrieb verwendeten Gefahrstoffe zu führen, in dem auf die entsprechenden Sicherheitsdatenblätter verwiesen wird. ..."

Welche Tätigkeiten dabei insbesondere in Betracht zu ziehen sind regelt der § 2 Abs. 4 GefStoffV 2010 , in dem der Begriff "Tätigkeit" definiert wird:
"Eine 'Tätigkeit' ist jede Arbeit mit Stoffen, Zubereitungen oder Erzeugnissen, einschließlich Herstellung, Mischung, Ge- und Verbrauch, Lagerung, Aufbewahrung, Be- und Verarbeitung, Ab- und Umfüllen, Entsorgung und Vernichtung. Zu den Tätigkeiten zählen auch das innerbetriebliche Befördern sowie Bedien- und Überwachungsarbeiten."

Grundsätzlich muss das geforderte Verzeichnis also für alle Gefahrstoffe geführt werden, die bei den genannten Tätigkeiten verwendet oder prozessbedingt gebildet werden. Hiervon gibt es nur zwei Ausnahmen:
  ●  Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die aufgrund ihrer Menge, der Gefährlichkeitsmerkmale und der durchgeführten Tätigkeit keine Gefahr
       für die Beschäftigten darstellen und für die die allgemeinen Schutzmaßnahmen (§ 6 Abs. 13 GefStoffV 2010) ausreichen, so genannte
       Tätigkeiten mit geringer Gefährdung, müssen nicht im Gefahrstoffverzeichnis aufgenommen werden.
       ACHTUNG: Da beim Lagern die Lagermengen (fast) immer über den Mengen liegen, die bei Tätigkeiten mit geringer Gefährdung noch
       akzeptabel sind, muss das Lagern des betreffenden Stoffes im Gefahrstoffverzeichnis angegeben werden, denn die Tätigkeit "Lagern" kann
       keine Tätigkeit mit geringer Gefährdung sein, auch wenn sonst nur Tätigkeiten mit geringer Gefährdung an diversen Arbeitsplätzen
       durchgeführt werden.
  ●  Gefahrstoffe, die nur kurzzeitig vorhanden sind und am Ort der Entstehung entfernt werden, beispielsweise Schweißrauche bei manuellem 
      Schweißen von Stählen.

Für die Beurteilung, ob Gefahrstoffe im Hinblick auf ihre gefährlichen Eigenschaften und Mengen eine Gefahr für die Beschäftigten darstellen, sind die Mengen der Gefahrstoffe je nach Gefahrenklasse bzw. Gefahrenkategorie (z. B. bei akut toxischen Stoffen/Gemischen der Kategorie 1 oder Kategorie 4) unterschiedlich zu bewerten:
  ●  Grundsätzlich ist aufgrund des stofflichen Gefährdungspotenzials davon auszugehen, dass Tätigkeiten mit akut toxischen Stoffen der
       Kat, 1, 2 oder 3 oder bei CMR-Stoffen stets zu einer nicht vernachlässigbaren Gefährdung der Beschäftigten führen können, wenn nicht die
       zutreffenden Zusätzlichen oder Besonderen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Bei diesen Gefahrstoffen sollte im Regelfall die Frage der
       Kleinmenge irrelevant sein.
  ●  Für die übrigen Gefahrstoffe kann keine allgemein gültige, zahlenmäßig festgelegte Definition der Kleinmenge gegeben werden;
       hier ist jeweils eine Einzelfallentscheidung zu treffen und die zugrunde liegende Begründung zu dokumentieren.

Es herrscht zzt. Übereinstimmung unter den Fachkundigen, dass für Tätigkeiten mit geringer Gefährdung der Parameter "geringe verwendete Stoffmenge" i. d. R. auf Grammmengen oder Volumina im Milliliterbereich beschränkt ist. Abweichungen hiervon sind sicher so lange möglich, wie eine verbindliche gegenteilige Regelung nicht existiert, Abweichungen müssen aber besonders begründet werden. Es muss an dieser Stelle jedoch darauf hingewiesen werden, dass zudem die Einstufung als Tätigkeit mit geringer Gefährdung noch von weiteren Parametern abhängt. Dazu zählen neben der Gefährlichkeit (Gefahrenklasse) des verwendeten Stoffes/Gemisches auch die Arbeitsbedingungen sowie eine nach Höhe und Dauer angestrebte niedrige Exposition.

Sinn und Zweck des Gefahrstoffverzeichnisses ist es u.a. einen stets aktuellen Überblick über Art und Mengen von Gefahrstoffen in den verschiedenen Bereichen des Unternehmens zu haben, so dass 
  ●  im Schadensfall ein schneller Überblick, z. B. für die Feuerwehr, gewonnen werden kann, wo weitere Gefahren bei der Schadensbekämpfung
       möglicherweise zu berücksichtigen sind. Neben den Namen der Gefahrstoffe müssen daher auch deren Gefahreneigenschaften
       (Kennzeichnung, Signalwort, H- und P-Sätze), durchschnittliche Mengen und Ort der Aufbewahrung bzw. Verwendung erfasst werden oder
  ●  bei der Beurteilung von möglichen Gefahren, z. B. im Rahmen der Erstellung oder Überprüfung von Schutzmaßnahmen oder von
      Gefährdungsbeurteilungen, die aktuelle Gefahrenlage ermittelt werden kann.

In dem Gefahrstoffverzeichnis sind nicht nur die eingekauften oder selbst hergestellten Gefahrstoffe aufzuführen, sondern auch die, die im Rahmen der innerbetrieblichen Tätigkeit (Produktion oder Verwendung) als Zwischenprodukte entstehen. Dieser Teil des Verzeichnisses ist evtl. weitaus schwieriger zu realisieren, als das Zusammenstellen der eingekauften Gefahrstoffe.

 

Mustervorlage für ein Gefahrstoffverzeichnis

Bei den herunterladbaren Musterformularen wird eine Vorlage für ein Gefahrstoffverzeichnis in Form einer EXCEL-Tabelle zur Verfügung gestellt. Hierin sind die Felder, die lt. § 6 Abs. 10 GefStoffV 2010 zwingend vorgeschrieben sind, hellgrün und die Felder, die sich in der Praxis zusätzlich als sinnvoll erwiesen haben, hellblau markiert. 

Allen mit Gefahrstoffen umgehenden (die betroffenen) Beschäftigten und ihren Vertretern (Betriebsrat/Personalvertretung) muss der Zugang zum Gefahrstoffverzeichnis möglich sein.

Weitere Informationen stehen auf dem Portal zur Verfügung unter:
-  Mindestanforderungen
Erstmalige Erstellung eines Gefahrstoffverzeichnisses
-  Gefahrstoffe ohne Kennzeichnung
-  Gestaltung des Gefahrstoffverzeichnisses