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Wegweiser TRGS 402 (Zusatzinformation)

Handlungshilfe zur Beurteilung der inhalativen Exposition

An Arbeitsplätzen können durch leicht unterschiedliche Produktionsbedingungen, individuell abweichende Arbeitsweisen von Mitarbeitern, klimatische Veränderungen, usw. Schwankungen der Gefahrstoffkonzentration in der Luft um den Faktor 4 herum auftreten (empirischer Schwankungsfaktor). Die Konzentrationen von Gefahrstoffen in der Luft an Arbeitsplätzen können sowohl durch Messungen, als auch durch andere Bewertungsverfahren (z. B. rechnerische Methoden oder Daten von vergleichbaren Arbeitsplätzen) ermittelt werden.

Bei Stoffen ohne verbindlichen Grenzwert müssen zur Bewertung der Exposition aufgrund einer möglichst umfassenden Recherche ersatzweise andere Bewertungskriterien herangezogen werden, z. B. Grenzwerte aus anderen Ländern, aus Technischen Regeln abgeleitete Werte, Empfehlungen von Verbänden oder Zielwerte des eigenen Unternehmens.

Bei einzelnen Stoffen mit verbindlichem Grenzwert wird für die Beurteilung der Gefahrstoffkonzentration in der Luft gemäß TRGS 402 der Stoffindex I herangezogen:

                                                           Schichtmittelwert C
                                   Stoffindex I  =  ---------------------------------------
                                                            Luftgrenzwert GW

Für die Beurteilung des Allgemeinen Staubgrenzwertes (der sich aus den einzelnen Stoffindices von A-Staub und E-Staub ergibt) wird dabei mit Bezug auf Abschnitt 2.4, Absatz (6) der TRGS 900 für die Beurteilung der jeweils höhere Stoffindex zugrunde gelegt.

Bei Stoffgemischen wird der Bewertungsindex BI des gesamten Gemisches durch Summierung der Stoffindices I der einzelnen Stoffe berechnet. Als Grenzwert gilt der Bewertungsindex BI = 1. Von diesem Verfahren kann im Einzelfall abgewichen werden, wenn dies arbeitsmedizinisch oder toxikologisch begründet werden kann. Für Kurzzeitwerte wird kein Bewertungsindex ermittelt. Ersatzweise kann bei Stoffgemischen auch der Stoffindex einer für das Gemisch repräsentativen Leitkomponente herangezogen werden. 

In Abhängigkeit von dem ermittelten Index werden die Ermittlungsergebnisse beurteilt. Zusätzlich müssen stets die Kurzzeitwertbedingungen eingehalten werden, andernfalls gilt der Befund "Schutzmaßnahmen nicht ausreichend":

  ●  Kurzzeitwert überschritten:  Schutzmaßnahmen nicht ausreichend!
                                                          ➤ 
Unverzügliche Maßnahmen zur Expositionsminderung und danach erneute Ermittlungen der
                                                               Gefahrstoff-Konzentrationen in der Luft im Arbeitsbereich
                                                          ➤  Durchführung von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen 

  ●  Stoffindex I > 1,0:                   Schutzmaßnahmen nicht ausreichend!
                                                          ➤ 
Unverzügliche Maßnahmen zur Expositionsminderung und danach erneute Ermittlungen der
                                                              Gefahrstoff-Konzentrationen in der Luft im Arbeitsbereich
                                                          ➤  Durchführung von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen

  ●  0,25 < Stoffindex I ≤ 1,0:       Abgesicherte Beurteilung der Schutzmaßnahmen nicht möglich! Grenzwertüberschreitungen können
                                                         nicht ausgeschlossen werden
                                                          ➤  Durchführung von weiteren Ermittlungen zur Absicherung des Ergebnisses
                                                          ➤  Fortlaufende Wirksamkeitskontrolle der vorgefundenen Schutzmaßnahmen
                                                          ➤  Ggf. Dauerüberwachung der Gefahrstoff-Konzentration oder andere Maßnahmen zur Sicherstellung
                                                              der Grenzwerteinhaltung

  ●  0,1 < Stoffindex I ≤ 0,25:       Schutzmaßnahmen ausreichend! Voraussetzung ist, dass die ermittelten Bewertungsindices von mindestens
                                                         drei verschiedenen Schichten alle im Bereich I ≤ 0,25 liegen
                                                          ➤ 
Sicherstellung der Repräsentativität der Ermittlungsergebnisse
                                                          ➤  Regelmäßige Wirksamkeitskontrolle der vorgefundenen Schutzmaßnahmen
                                                          ➤  Erneute Gefährdungsbeurteilung bei Änderung der betrieblichen Randbedingungen (z. B. Produktionsmenge,
                                                              Produktionsverfahren, Tätigkeiten im Arbeitsbereich)

  ●  Stoffindex I ≤ 0,1:                  Schutzmaßnahmen ausreichend!
                                                           ➤  Sicherstellung der Repräsentativität der Ermittlungsergebnisse
                                                           ➤  Regelmäßige Wirksamkeitskontrolle der vorgefundenen Schutzmaßnahmen
                                                           ➤  Erneute Gefährdungsbeurteilung bei Änderung der betrieblichen Randbedingungen (z. B. Produktionsmenge,
                                                               Produktionsverfahren, Tätigkeiten im Arbeitsbereich)


Begriffsbestimmungen

Schichtmittelwert
Unter dem Schichtmittelwert versteht man die mittlere Konzentration eines Gefahrstoffes, die an einem Arbeitsplatz/Tätigkeit über einen Zeitraum von 8 Stunden hinweg (= definitionsgemäß "eine Schicht") in der Atemluft vorhanden ist. Die Einheit des Schichtmittelwertes ist [mg/m3].

Arbeitsplatzgrenzwert, AGW
Arbeitsplatzgrenzwerte sind Schichtmittelwerte (siehe oben) bei in der Regel täglich 8-stündiger Exposition an 5 Tagen pro Woche während der Lebensarbeitszeit. Die Einheit des Arbeitsplatzgrenzwertes ist [mg/m3].

Kurzzeitwert
Kurzzeitwerte sind kurzzeitig auftretende erhöhte Expositionen, die in ihrer Konzentration in Abhängigkeit von dem jeweiligen Gefahrstoff den zugrunde liegenden Luftgrenzwert entweder nur maximal erreichen oder aber auch um einen bestimmten Faktor überschreiten dürfen. Die Einheit des Kurzzeitwertes ist [mg/m3].


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