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Einsatz von PSA als letzte Maßnahme

Bevor persönliche Schutzausrüstung eingesetzt werden darf, sollten alle Möglichkeiten der technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen ausgeschöpft sein.

Nicht jede PSA kann für jeden Zweck eingesetzt werden und die Auswahl ist sehr genau den Einsatzbedingungen entsprechend auszuwählen. Das gilt auch für Handschuhe, die je nach Lösemittel, Säure oder Lauge unterschiedlichen Anforderungen genügen müssen. Die Auswahl muss sich an dem geplanten Einsatz orientieren und rechtzeitig bestellt werden, so dass sie im Bedarfsfall einsatzbereit im Betrieb vorhanden ist.
 

Pflicht zum Tragen von PSA

Die Beschäftigten sind verpflichtet, persönliche Schutzausrüstung solange zu tragen, wie eine Gefährdung besteht (§ 7 Abs. 5 GefStoffV 2010). Auch wenn das Tragen von PSA in dem einen oder anderen Fall als unangenehm empfunden wird, dürfen sich die Beschäftigten nicht gegen das Tragegebot von PSA wehren. In den meisten Fällen kann durch gezielte Auswahl den persönlichen Besonderheiten Rechnung getragen werden. Wenn gegen das Tragegebot verstoßen wird, kann dies letztendlich zur Kündigung führen, weil der Betreffende als für die Arbeit ungeeignet eingestuft werden kann!
 

Belastungen durch das Tragen von PSA

Das Tragen von belastender persönlicher Schutzausrüstung ist nur eingeschränkt gestattet, denn dieses darf keine ständige Maßnahme anstelle von technischen oder organisatorischen Maßnahmen sein, da sonst andere Gesundheitsgefährdungen für die Beschäftigten auftreten können. Die Übergänge sind hier sicher gleitend und es muss in der Gefährdungsbeurteilung abgeleitet werden, welches zeitliche Maß der Belastung der Beschäftigten noch tolerabel ist. Zur Beurteilung dieser Frage sollte unbedingt der Betriebsarzt zu Rate gezogen werden!

Die Frage, wann eine persönliche Schutzausrüstung als belastend empfunden wird, hängt unter Umständen sehr stark vom Einzelfall ab. Sicher ist, dass das Tragen von Schutzbrillen, Schutzschuhen, Schutzhelm oder Gehörschutz heute angenehmer ist als noch vor einigen Jahren und das Tragen nur selten noch als belastend eingestuft werden kann. Es gibt eine große Produktvielfalt in den unterschiedlichsten Größen und Ausführungen, unter denen entsprechend dem jeweiligen Bedürfnis ausgewählt werden sollte.

Zweifelsfrei zählt das Arbeiten unter vollem Atemschutz zu den am stärksten belastenden Tätigkeiten überhaupt und muss deshalb immer auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben.

Dass aus dem Tragen von PSA auch negative Konsequenzen erwachsen können, zeigt bereits das längere Tragen von Schutzhandschuhen: Jedes Tragen über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden muss als Feuchtarbeit gewertet werden, mit der Konsequenz, dass die für diesen Fall vorgesehenen präventiven Schutzmaßnahmen umgesetzt werden müssen, z. B. Angebotsuntersuchung zur Erkennung von Hautschäden und Festlegen einer entsprechenden Therapie, beispielsweise die Einführung und Umsetzung eines Hautschutzplans.
 

Pflicht zum Bereithalten und Aufbewahren von PSA

In der Gefahrstoffverordnung 2010 stehen geblieben sind die Vorschriften, wie sichergestellt werden soll, dass im Betrieb vorhandene persönliche Schutzausrüstung stets einsatzbereit ist. Diese Vorschriften sind aus der PSA-Benutzungsverordnung entnommen und wegen der Bedeutung und zur Klarstellung hier nochmals angegeben: 
  ●  sachgerecht an einem geeigneten und dafür vorgesehenen Ort aufzubewahren,
  ●  vor dem Austeilen auf korrekte Funktionsfähigkeit zu überprüfen, z. B. zumindest bezüglich des Haltbarkeitsdatums, nach Gebrauch
      ordnungsgemäß zu reinigen

  ●  auszubessern, wenn sie beschädigt, oder zu reparieren, wenn sie funktionsuntüchtig und eine Reparatur möglich ist oder sie auszutauschen,
      wenn Ausbesserung oder Reparatur nicht möglich sind,

  ●  nur dann aufzubewahren, wenn sie in ordentlichem und funktionsfähigem Zustand an einem geeigneten, dafür vorgesehenen Ort
      sachgerecht gelagert werden kann.

Aus dieser detaillierten Liste von Pflichten folgt, dass das Aufbewahren von PSA direkt am Arbeitsplatz unbedingt vermieden werden sollte. Das hat sowohl hygienische Gründe als auch sicherheitstechnische Aspekte.

Auch nicht einwandfrei funktionstüchtige oder verschmutzte PSA können sehr belastend sein. Diese Belastung ist aber nicht auf mangelhafte Eigenschaften der Ausrüstung zurückzuführen, sondern ist ausschließlich eine Folge unsachgemäßer Benutzung und Reinigung durch den Anwender. Gibt es dazu eine entsprechende Arbeitsanweisung, auf die sich der Beschäftigte berufen kann?

Diffiziler sieht die Bewertung des Tragens von Schutzhandschuhen aus. Hier kommt es neben der richtigen Materialauswahl, Dicke und Griffigkeit, auch auf einen Mindesttragekomfort an, der häufig von persönlichen Faktoren abhängt. Oft ist das nicht alles optimal realisierbar und es ist nicht immer einfach, den richtigen Kompromiss zu wählen.

Auch die Wirksamkeit der individuellen Schutzmaßnahmen muss immer wieder in Frage gestellt und überprüft werden: Wird der richtige Schutzhandschuh getragen, der für die verwendete Säure, die Lauge oder das Lösungsmittel geeignet ist? Hier sollte in Zukunft auch das Sicherheitsdatenblatt, dessen vollständige Ausfüllung jetzt vorgeschrieben ist, einige Informationen mehr geben als in der Vergangenheit.

Kann das in der Gefährdungsbeurteilung zeitlich festgelegte Maß des Tragens von belastender PSA nicht eingehalten werden, und sind keine weiteren, zusätzlichen technischen oder organisatorischen Maßnahmen zur Minimierung der Gefährdung möglich, dann muss in letzter Konsequenz in Betracht gezogen werden,
  ●  dass die Tätigkeiten tatsächlich nur in einer geschlossenen Anlage ausgeführt werden können oder

  ●  dass zeitlicher bzw. räumlicher Abstand durch Arbeitszeit- oder Zutrittsbeschränkungen eingehalten werden muss oder
  ●  dass eine Ausnahmegenehmigung nach § 19 GefStoffV beantragt werden muss, beispielsweise für Tankreinigungen, die weder in einem geschlossenen System ausgeführt werden können noch durch Verkürzung der Expositionszeit zu beeinflussen sind.