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Lagerung von Gefahrstoffen

Die Lagerung von Gefahrstoffen hat so zu erfolgen, dass keine Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten von ihnen ausgeht:
  ●  Dabei sind auch Vorkehrungen zu treffen, dass die Gefahrstoffe nicht missbräuchlich oder von Unbefugten verwendet werden können.
  ●  Gelagerte Gefahrstoffe müssen ausreichend gekennzeichnet sein, um Verwechslungen zu vermeiden.
  ●  Die Aufbewahrung oder Lagerung von Gefahrstoffe in unmittelbarer Nähe von Lebens-, Futter- oder Arzneimitteln oder in Behältern,
      die durch ihre Form oder Bezeichnung mit Lebensmitteln verwechselt werden können, ist nicht zulässig. Daraus folgt auch umgekehrt,
      dass die Lagerung von Lebensmitteln in einem Laborkühlschrank, in dem Gefahrstoffe kühl gehalten werden, verboten ist.
  ●  Gefahrstoffe, die gesundheitsgefährliche Dämpfe abgeben, sind an dauerabgesaugten Orten aufzubewahren. Bei Aufbewahrung in
      einem Schrank muss dieser an einer von der Raumabsaugung getrennten, funktionsfähigen und angeschlossenen Absaugung ausgerüstet
      sein.

Es ist schwierig und teilweise sehr kompliziert. diese sicher klaren und eindeutigen Aussagen in der Praxis unter den jeweils örtlichen und betrieblichen Bedingungen richtig umzusetzen. Ebenso schwierig ist es, verbindliche Empfehlungen oder Anleitungen zur Umsetzung abzugeben, die alle betrieblichen Eventualitäten abdecken, ohne diese auch nur annähernd zu kennen. Betrachtet man die Anforderungen, die sich aus der Vielfalt der Eigenschaften der Gefahrstoffe ergeben, so erhält man eine überschaubare Anzahl von sinnvollen Kombinationsmöglichkeiten. Aber damit alleine ist es nicht getan, denn es müssen zusätzlich mindestens auch die Mengen in den einzelnen Gefahrstoffklassen, der Ort der Lagerung (im Gebäude, oberirdisch, unterirdisch, im Freien, in einem Schutzgebiet, in einem Industrie- oder Gewerbegebiet), die bauliche Qualität des Lagerungsortes oder die Dauer der Lagerung berücksichtigt werden, um nur einige wichtige Parameter zu nennen.

Zunächst muss man sich darüber klar werden, was man unter dem Begriff Lagerung versteht. Ist es der Vorgang, der die Vorratslagerung betrifft, eingeschlossen das Bereitstellen zum Transport, so wie es in den Gefahrgutvorschriften geregelt wird – oder soll bei der Diskussion von Lagerungsmöglichkeiten und -anforderungen auch die Lagerung während der Tätigkeit am Arbeitsplatz (also das unterschiedlich lange Abstellen) oder auch das Lagern über Nacht außerhalb der Arbeitszeit, das nicht länger als 24 Stunden dauert, mitberücksichtigt werden? Wir wollen bei unseren Überlegungen auch die Betrachtungen der letzteren Möglichkeiten einschließen, zumal in der Gefahrstoffverordnung bei vielen Vorgaben, die das Lagern betreffen, oft in einem Satz die Rede von "sicherer Handhabung", "Aufbewahrung" und "Lagerung" ist. Die dort gemachten Vorgaben gelten also nicht nur für das Lagern über 24 Stunden, sondern auch für Tätigkeiten wie das kurzzeitige Abstellen, das Wegstellen (z. B. bei Betriebs- oder Schichtende, ggf. unbeaufsichtigt über Nacht), das Bereitstellen zur Verwendung (nicht nur zur Beförderung!) etc.

Beim Betrieb von Lagereinrichtungen muss in vielen Fällen zusätzlich zu den Anforderungen für den einzelnen Gefahrstoff, Gemisch oder Produkt ein Zusammenlagerungsverbot mit anderen Stoffen, Gemischen oder Produkten beachtet werden, um mögliche gefährliche Reaktionen zwischen den Produkten zu vermeiden. Je größer die Menge an Gefahrstoffen ist, umso bedeutender und bindender sind die Zusammenlagerungsverbote. Auch wenn für kleinere Mengen diese Verbote gegebenenfalls nicht einzuhalten sind, zeigt doch der systematische Hintergrund dieser Verbote deutlich, dass auch bei kleineren Mengen diese Strategie zur Gefährdungsverminderung für Beschäftigte und Umwelt nicht verkehrt sein kann.

In den einschlägigen Verordnungen existiert kein Bewertungskonzept oder Klassifizierungssystem, das geeignet ist, Gefährdungsfragen in Zusammenhang mit Zusammenlagerungen zu beurteilen:
  ●  Die Gefahrstoffverordnung bildet keine Klassen und umfasst nicht alle Produkte, die gelagert werden müssen. Sie kennzeichnet
      Produkte nach den von den Produkten ausgehenden besonderen Gefahren. Dabei stehen die physikalisch-chemischen,
      die toxischen und die ökotoxischen Eigenschaften gleichrangig nebeneinander und die physikalischen Gefährdungen werden nur
      in Teilbereichen angesprochen, die in der Betriebssicherheitsverordnung nicht angesprochen werden.
      Diese Situation hat sich bezüglich der Einteilung in Gefahrenklassen durch die CLP-Verordnung geändert, allerdings ist deren Umsetzung
      in der Gefahrstoffverordnung auf das Jahr 2015 verschoben worden, so dass sich hier zunächst keine Änderungen ergeben. 
  ●  Das auf die Transportsituation zugeschnittene Klassifizierungssystem für Gefahrgut hingegen berücksichtigt nicht ausreichend
      die Gefahrenpotentiale, die sich aufgrund der beim Lagern vorkommenden größeren Mengen ergeben, da Transporte in diesen
      Größenordnungen nicht vorkommen. Dieses System steht daher in mehreren Bereichen mit Produktgruppenbildungen, wie sie in
      Lagervorschriften bereits existieren, nicht in Übereinstimmung. Außerdem erfasst auch das Gefahrgutklassifizierungssystem nicht
      alle Produkte.

Es ist möglich, die Gefahrstoffe, basierend auf den Gefährlichkeitsmerkmalen in Lagerklassen (LGK) einzuteilen, innerhalb derer sowohl gleichartige Sicherheitsmaßnahmen als auch gleichartige Lagerungsbedingungen zu beachten sind; die Bezeichnung der Lagerklasse basiert auf der Einteilung des Gefahrgutrechts. Dieses System ist so aufgebaut, dass jeder Gefahrstoff, jedes Gemisch und jedes Erzeugnis (Produkt) eindeutig nur in einer dieser Lagerklasse eingestuft werden kann.

Basierend auf den Lagerklassen lassen sich auch die Zusammenlagerungsverbote übersichtlich grafisch sehr gut darstellen. Diese Darstellung, die sich ebenfalls in dem genannten VCI-Leitfaden und der TRGS 510 befindet, ist auch Teil der zusätzlichen Information zur Zusammenlagerung.

In der CLP-Verordnung werden die allgemeinen Anforderungen an das Lagern von gefährlichen Stoffen unter Verschluss weiter gefasst als in der Gefahrstoffverordnung.

Durch die neuen Einteilungskriterien zwischen giftigen und gesundheitsschädlichen oder hochentzündlichen und leichtentzündlichen Stoffen, können sich aus diesem Grund formal die Lagermengen der giftigen bzw, hochentzündlichen Stoffe ändern, ohne dass damit eine Erhöhung der Gefährdung verbunden ist. Hier ist bis zum 01.06.2015 eine Übergangsregelung geschaffen worden, die wir auch im Rahmen eines Überblicks zu Lagereinrichtungen diskutieren.