Aktuelles

​CLP: 2. ATP

Grundlegende Überarbeitung der CLP-Verordnung

Es hat den Anschein, als würde die CLP-Verordnung – so wie die Gefahrgutvorschriften – alle zwei Jahre einer grundsätzlichen Überarbeitung unterzogen, wobei eine Harmonisierung beider Regelungsbereiche das Motiv zu sein scheint. In dieser vorliegenden Revision des Jahres 2011 werden eine Reihe von grundlegenden Überlegungen überarbeitet, detailliert oder neu formuliert, die allgemein die Überarbeitung von Anforderungen an die Einstufung und Kennzeichnung einzelner Gefahrenklassen betreffen, sich aber in einigen Fällen konkret auf das Handling von Gemischen beziehen.

Die Teile 4 und 5 des Anhang I wurden komplett neu gefasst. Im Falle der Umweltgefahren (Teil 4) handelt es sich dabei um eine Neuunterteilung und Neubenennung von Untergruppen und im Falle des Teils 5 wurde die bisherige europäische Gefahrenklasse (Teil 5 hieß "Zusätzliche europäische Gefahrenklasse") wurde von der UN als Gefahrenklasse übernommen, was zu der neuen Überschrift "Weitere Gefahren" für Teil 5 führte. Die Kennzeichnung der Gefahrenklasse wurde grundlegend geändert.

Diese Überarbeitung der CLP-Verordnung durch die Verordnung (EU) Nr. 286/2011 enthält folgende Highlights
1. Überarbeitung von Kennzeichnungsanforderungen,
2. Überarbeitung von Einstufungsanforderungen,
3. Geänderte, leicht modifizierte Piktogramme,
4. Neufassung der Umweltgefahren,
5. Zulassung kombinierter harmonisierte H-Sätze,
6. Auswirkungen der zusätzlichen Unterteilungen und
7. Geänderte harmonisierte Einstufungen,
die wir im Folgenden kurz beschreiben.

1. Überarbeitung von Kennzeichnungsanforderungen
Die Anforderungen an die Kennzeichnung wurden in drei Punkten geändert, diese sind
-   Änderung der vorgeschriebenen Kennzeichnung, wenn kein Gefahrenpiktogramm vorhanden ist (Streichung Artikel 25, Abs. 5)
-   Wenn mit dem Gefahrenpiktogramm Flamme (GHS02) oder Totenkopf (GHS06) gekennzeichnet werden muss, kann die Verwendung
    des Gefahrenpiktogramms Gasflasche (GHS04) unterbleiben (neuer Artikel 26, Abs. 1 e)
-   Es werden sowohl die Mindestgrößen von Piktogrammen auf Kennzeichnungsetiketten verbindlich festgelegt (Anhang I, Tabelle 1.3)
    als auch die Kennzeichnungsanforderungen bei Kleinpackungen neu formuliert  

2. Überarbeitung von Einstufungsanforderungen
Bei vielen Änderungen ist es schwer abschätzbar, warum verbale Änderungen vorgenommen wurden. Mögliche Gründe können das Bestreben der Verwendung einer einheitlichen Terminologie sein, aber auch auf Anforderungen basieren, die auf den UN- Sachverständigenausschuss für die Beförderung gefährlicher Güter und das weltweit harmonisierte System zurückgehen.

Viele Hinweise wurden verbal überarbeitet, aber andere auch neu formuliert wie die Hinweise, dass Aerosole nicht als entzündbare Gase (2.2.2.1), nicht als entzündbare Flüssigkeiten (2.6.2.1) oder nicht als entzündbare Feststoffe (2.7.2.3) eingestuft werden dürfen. Diese, so wie weitere neue Hinweise in 2.3.2 zeugen von einem gesteigerten Justierungsbedarf zur sachgerechten Einstufung von Aerosolen.

Das Verfahren für die Zuordnung zu einer Unterklasse der Klasse explosiver Stoffe/Gemische und Erzeugnisse mit Explosivstoff wurde in den Abb. 2.1.3 und 2.1.4 neu dargestellt und zum Teil geändert.

Zur Einstufung von brennbaren Flüssigkeiten werden diverse Neuregelungen vorgegeben:
-   Zur Bestimmung des Flammpunkts von entzündbaren Flüssigkeiten wird in Tabelle 2.6.3 der Eintrag des British Standard Institutes
    komplett gestrichen.
-   Präzisierung der Voraussetzungen zur Einstufung von Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt > 35 °C aber < 60 ° (2.6.4.5)
-   Neues Kapitel zu Methoden zur Bestimmung des Siedebeginns von entzündbaren Flüssigkeiten (2.6.4.6)  

Bei den Gesundheitsgefahren gibt es eine Reihe von Veränderungen/Klarstellungen, die nicht alle nachvollziehbar sind:
-   Unklar ist, was der Wechsel von dem bisher üblichen Begriff "Gefahrenkategorie" jetzt hin zu "Toxizitätskategorie" bewirken soll.
-   Die grundsätzlichen Vorgaben zur Einstufung von Gemischen wurden ebenso präzisiert (3.1.3.2) wie eine Neuformulierung der
    Verdünnungsregelung (3.1.3.5).
-   Unbeschadet Artikel27 können bei den Gesundheitsgefahren kombinierte Gefahrenhinweise nach Anhang III verwendet werden.
    Insgesamt sind 10 neue harmonisierte H-Sätze sind in Anhang III nachgetragen worden.
-   Die Einstufungskriterien für die Haut oder die Atemwege sensibilisierende Stoffe wurden geändert (3.4.2): Einführung der
    Unterkategorien 1A und 1B, die jeweils wie die bisherige Kategorie 1 gekennzeichnet sind.  

3. Geänderte, leicht modifizierte Piktogramme
Die bisherigen Gefahrenpiktogramme GHS07 (Ausrufezeichen) und GHS09 (Umwelt) wurden gegen neue Piktogramme ausgetauscht. 

Die Unterschiede zu den bisherigen Kennzeichen springen kaum ins Auge, insbesondere beim Ausrufezeichen. Im Falle des Gefahrenpiktogramms Umwelt wird nur dem aufmerksamen Betrachter auffallen, dass dem Fisch die Flossen abhandengekommen sind.

4. Neufassung der Umweltgefahren
Die Umweltgefahren in Teil 4 wurden komplett neu gefasst und müssen deshalb komplett ausgetauscht werden! Das betrifft sowohl eine Erweiterung der Begriffsbestimmungen in 4.1.1.1 als auch Änderungen der Terminologie: Aus "chronisch (langfristig) gewässergefährdend" wird jetzt "langfristig gewässergefährdend" als auch eine Präzisierung der Einstufungskriterien.

Auch der Teil 5 der CLP-Verordnung wurde komplett neu gefasst. Die bisherige Sonderstellung dieser Gefahrenklasse als europäische Erweiterung der UN-GHS-Verordnung scheint überwunden zu sein, wie nicht nur aus dem geänderten Titel von Teil 5, sondern auch aus der Streichung des EUH059 zu ersehen ist, der gegen den neuen, weltweit harmonisierten H420 ausgetauscht wurde, der jetzt für die Gefahrenklasse verbindlich ist. Als offizieller Gefahrencode ist "Ozone 1" für diese Kategorie vorgesehen.

Darüber hinaus ist eine neue Kennzeichnung der die Ozonschicht schädigenden Stoffe vorgeschrieben: Jetzt ist das Gefahrenpiktogramm GHS07 (Ausrufezeichen) erforderlich.

           
               Achtung

Das bislang vorgeschriebene Signalwort "Gefahr" wurde in "Achtung" geändert und an Stelle der Sicherheitshinweise P273 und P501 wird jetzt der neue P502 ("Informationen zur Wiederverwendung/Wiederverwertung beim Hersteller/Lieferanten erfragen") verwendet.  

5. Zulassung kombinierter harmonisierte H-Sätze
Im Falle der Gesundheitsgefahren werden jetzt auch kombinierte Gefahrenhinweise zugelassen. Unbeschadet Artikel 27 können bei den Gesundheitsgefahren kombinierte Gefahrenhinweise nach Anhang III verwendet werden. Insgesamt sind der neuen H-Satz H420 (an Stelle von EUH059) elf neue kombinierte H-Sätze in Anhang III nachgetragen worden.

6. Auswirkungen der zusätzlichen Unterteilungen

Durch die vorgenommenen, weiter oben beschriebenen Änderungen bei
-   Zuordnungen zu Unterklassen im Falle einzelner explosiver Stoffe/Gemische und Erzeugnisse mit Explosivstoff
-   Einstufungsvoraussetzungen für brennbare Flüssigkeiten
-   zusätzlichen Unterteilungen der die Haut oder die Atemwege sensibilisierenden Stoffe in Unterkategorien
sind verbale Anpassungen bei den zutreffenden Sicherheitshinweisen (P-Sätzen) erforderlich, die im Anhang IV dokumentiert werden. Auch der neue P502 ist hier zu finden.   

Hierbei handelt es sich um die folgenden, harmonisierten Gefahrenhinweise

H300 + H310

Lebensgefahr bei Verschlucken oder Hautkontakt.

 

 

H300 + H330

Lebensgefahr bei Verschlucken oder Einatmen.

 

 

H300 + H310 + H330

Lebensgefahr bei Verschlucken, Hautkontakt oder Einatmen.

 

 

H301 + H311

Giftig bei Verschlucken Hautkontakt.

 

 

H301 + H331

Giftig bei Verschlucken oder Einatmen.

 

 

H311 + H331

Giftig bei Hautkontakt oder Einatmen.

 

 

H301 + H311 + H331

Giftig bei Verschlucken, Hautkontakt oder Einatmen.

 

 

H302 + H312

Gesundheitsschädlich bei Verschlucken oder Hautkontakt.

 

 

H302 + H332

Gesundheitsschädlich bei Verschlucken oder Einatmen.

 

 

H312 + H332

Gesundheitsschädlich bei Hautkontakt oder Einatmen.

 

 

H420

Schädigt die öffentliche Gesundheit und die Umwelt durch Ozonabbau in der äußeren Atmosphäre

 

 

7. Geänderte harmonisierte Einstufungen
In Anhang VI wurden in Tabelle 3.1 die Einstufungen von vier Stoffen geändert, bei denen als die Ozonschicht schädigende Stoffe die bisherige Kennzeichnung durch den neuen Gefahrenhinweis H420 an Stelle des EUH059 sowie das neue Gefahrenpiktogramm, das neue Signalwort und den neuen Gefahrenklassencode Ozone 1 aktualisiert werden musste.

Bei den Stoffen, deren Einstufung geändert wurde handelt es sich dabei um

Index-Nr

EGNr.

CAS-Nr.

Bezeichnung 

 

 

602-002-00-2

200-813-2

74-83-9

bromomethane; methylbromide

 

 

602-008-00-5

200-262-8

56-23-5

carbon tetrachloride; tetrachloromethane

 

 

602-013-00-2

200-756-3

71-55-6

1,1,1 - trichloroethane; methyl chloroform

 

 

602-084-00-X

404-080-1

1717-00-6

1,1 - dichloro - 1 - fluoroethane